Was ist das Messie Syndrom? Symptome, Erkrankung, Krankheitsbild

Messie Syndrom verstehen – Was Ist das Messi Syndrom?

Ein unordentliches Zuhause kann viele Ursachen haben – Stress, Zeitmangel oder einfach eine Phase der Überforderung. Doch wenn die Unordnung dauerhaft wird, wenn sich Gegenstände türmen, Räume nicht mehr nutzbar sind und das Aufräumen zu einem unüberwindbaren Problem wird, könnte mehr dahinterstecken: eine ernstzunehmende psychische Störung, bekannt als Messie Syndrom, oder doch Messie Krankheit?

Im internationalen medizinischen Sprachgebrauch wird diese Problematik als Hoarding Disorder bezeichnet. Sie wurde 2013 erstmals im DSM-5 der American Psychiatric Association als eigenständige Diagnose aufgenommen und ist seit 2022 auch offiziell im ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation unter dem Code 6B24 verzeichnet.

Betroffene zeigen ein anhaltendes Bedürfnis, Dinge zu sammeln – auch dann, wenn diese objektiv wertlos sind. Gleichzeitig fällt es ihnen extrem schwer, sich davon zu trennen. Diese emotionale Bindung an Gegenstände führt oft zu einer chronischen Überfüllung der Wohnung, sozialem Rückzug und starkem Leidensdruck. Studien wie jene von Frost & Hartl (1996) und Tolin et al. (2010) zeigen, wie tief das zwanghafte Horten in das Leben und die Beziehungen der Betroffenen eingreift.

In Deutschland wird der Begriff Messie Syndrom zwar umgangssprachlich genutzt, ist jedoch keine offizielle Diagnose. Trotzdem haben Untersuchungen ergeben, dass zwischen 1 und 2 Prozent der Bevölkerung Symptome einer Hoarding-Störung aufweisen (vgl. Müller & de Zwaan, 2020) – viele davon unentdeckt oder unbehandelt.

In diesem Blog erfährst du:

  • Was genau das Messie Syndrom ist,
  • Welche Symptome und psychologischen Ursachen dahinterstehen,
  • Wie eine Diagnose gestellt wird – und wo man Hilfe findet.

Dieser Beitrag richtet sich sowohl an Betroffene als auch an Angehörige und möchte dazu beitragen, das Thema zu entstigmatisieren, aufzuklären und Wege zur Veränderung aufzuzeigen.


Symptome des Messie Syndroms – Wie sich die Messie Krankheit äußert

Das Messie Syndrom – oder medizinisch korrekt die Hoarding Disorder – äußert sich durch ein ganzes Bündel an psychischen und praktischen Symptomen, die sich im Alltag oft über Jahre hinweg verstärken. Es handelt sich nicht um „bloßes Chaos“, sondern um anhaltende Verhaltensmuster, die für Betroffene hohen Leidensdruck bedeuten können – oft begleitet von sozialem Rückzug, Scham und sogar Isolation.

Die American Psychiatric Association beschreibt in ihrer Definition der Hoarding Disorder im DSM-5, dass die Betroffenen große Schwierigkeiten haben, sich von Gegenständen zu trennen – unabhängig von deren realem Wert. Dies führt langfristig zu einer so starken Ansammlung, dass die Wohnräume nicht mehr bestimmungsgemäß genutzt werden können.

Kernsymptome des Messie Syndroms

Laut der WHO-Klassifikation im ICD-11 (6B24) sowie dem DSM-5 sind folgende Hauptsymptome typisch:

  • Anhaltende Schwierigkeit, Dinge wegzuwerfen, selbst bei offensichtlichem Wertverlust
  • Zwanghaftes Aufbewahren von Gegenständen, begleitet von Angst oder Traurigkeit beim Gedanken ans Weggeben
  • Starke emotionale Bindung an scheinbar wertlose Gegenstände (z. B. alte Zeitungen, Verpackungen, kaputte Geräte)
  • Überfüllung der Wohnräume – z. B. Küche, Bett oder Bad sind nicht mehr normal nutzbar
  • Einschränkungen in der Lebensqualität durch das eigene Wohnumfeld
  • Häufig auch fehlender Leidensdruck oder eine fehlende Krankheitseinsicht (Anosognosie)

Psychische und soziale Begleiterscheinungen

Neben dem direkten Messie Verhalten treten oft weitere psychische Symptome und komorbide Störungen auf. Eine der häufigsten ist die Depression, gefolgt von Angststörungen und Zwangsstörungen. In einer Metastudie von Mataix-Cols et al. (2010) zeigte sich, dass rund 50–70 % der Menschen mit Hoarding Disorder mindestens eine weitere psychische Erkrankung haben
DOI: 10.1016/j.jad.2010.04.027

Typische psychische Begleitsymptome:

  • Scham & Schuldgefühle
  • Sozialer Rückzug (z. B. keine Gäste einladen, Angst vor Entdeckung)
  • Entfremdung vom eigenen Umfeld
  • Angststörungen oder generalisierte Angst

Frühzeichen erkennen – Wo beginnt das Problem?

Einige der Frühzeichen werden häufig übersehen oder verharmlost. Dazu zählen:

  • Ständige Entscheidungsschwierigkeiten beim Entrümpeln
  • Vermeidung von Besuch oder Post (aus Angst vor Entdeckung)
  • Wiederholte Aussagen wie: „Das brauche ich bestimmt nochmal.“
  • Zunehmender Verlust an Ordnung, obwohl es stört

Je früher diese Anzeichen erkannt werden – von Betroffenen oder Angehörigen – desto besser sind die Chancen auf erfolgreiche therapeutische Begleitung.

Was ist das Messie Syndrom? – Definition & Merkmale der Messi Erkrankung

Das sogenannte Messie Syndrom (auch: Messi Erkrankung, Vermüllungssyndrom oder im Fachbegriff Hoarding Disorder) beschreibt ein psychisches Störungsbild, bei dem Betroffene übermäßig viele Gegenstände anhäufen und große Schwierigkeiten haben, sich von ihnen zu trennen – selbst wenn diese objektiv wertlos oder unbrauchbar sind. Im Alltag führt das zu einer chronisch überfüllten, oft nicht mehr nutzbaren Wohnsituation, verbunden mit sozialem Rückzug, Schamgefühlen und psychischem Leidensdruck.

Obwohl der Begriff Messie-Syndrom in Deutschland weit verbreitet ist, handelt es sich dabei nicht um eine offizielle Diagnose im internationalen Diagnoseschlüssel ICD-10. Erst mit der Einführung des DSM-5 im Jahr 2013 wurde die Hoarding Disorder (zwanghaftes Horten) als eigenständige psychische Störung klassifiziert – als Teil der Gruppe „Zwangsspektrumsstörungen“ (American Psychiatric Association, 2013). Im ICD-11, der seit 2022 gültig ist, wird die Hoarding Disorder unter dem Code 6B24 geführt.

Wie definiert sich das Messie Krankheitsbild?

Die Merkmale der Hoarding Disorder laut DSM-5 beinhalten:

  • Anhaltende Schwierigkeit, Dinge wegzuwerfen, unabhängig von deren tatsächlichem Wert
  • Starker innerer Drang zum Behalten und emotional belastende Gedanken bei der Vorstellung, etwas zu verlieren
  • Überfüllte Räume, die nicht mehr ihrer eigentlichen Nutzung dienen können (z. B. Küche, Bad, Bett)
  • Leidensdruck oder Beeinträchtigung im sozialen, beruflichen oder gesundheitlichen Bereich

Diese Störung tritt oft gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Zwangsstörungen auf (Müller & de Zwaan, 2020).


Unterschied zwischen Unordnung und Messi-Syndrom

Es ist wichtig, zwischen einer vorübergehenden oder harmlosen Unordnung und dem Messie Syndrom als psychischer Störung zu unterscheiden. In einer oft zitierten Studie entwickelten Frost & Hartl (1996) ein kognitiv-behaviorales Modell des zwanghaften Hortens, das zeigt, wie tiefgreifend diese Verhaltensweise psychologisch verankert ist.

Normale UnordnungMessie Syndrom
Situativ bedingt (z. B. Zeitmangel, Stress)Chronisch, über Monate oder Jahre hinweg
Ordnung kann selbst wiederhergestellt werdenFremdhilfe und/oder Therapie notwendig
Keine emotionale Bindung an DingeStarke emotionale Reaktionen bei Entsorgung
Räume bleiben funktional nutzbarRäume sind oft überfüllt, kaum nutzbar

Diese Abgrenzung ist entscheidend für das Verständnis der Krankheit – denn Menschen mit einer Messie-Erkrankung leiden nicht an Faulheit, sondern an einer tiefgreifenden psychischen Blockade, die oft ohne professionelle Messie Hilfe nicht überwindbar ist.


Diagnose des Messie Syndroms – Wie die Messie Krankheit festgestellt wird

Das Messie-Syndrom gilt oft als „unsichtbare Krankheit“ – nicht, weil es harmlos wäre, sondern weil es sich meist hinter verschlossenen Türen abspielt. Viele Betroffene schämen sich und vermeiden es, Besuch zu empfangen oder sich Hilfe zu suchen. Dadurch wird eine fachliche Diagnose oft über Jahre hinausgezögert. Dabei ist eine frühe Erkennung wichtig, um den Leidensdruck zu lindern und therapeutische Maßnahmen einzuleiten.


Wer stellt die Diagnose des Messie Syndroms?

In Deutschland ist das Messie-Syndrom keine offiziell anerkannte Diagnose im ICD-10-GM. Es wird meist als Teilbereich anderer Störungen – etwa Zwangsstörungen, depressiver Episoden oder der Hoarding Disorder – eingeordnet. Letztere ist im DSM-5 der American Psychiatric Association als eigenständige psychische Störung klassifiziert und bietet die Grundlage für viele therapeutische Bewertungen auch im deutschsprachigen Raum.

Die Diagnose sollte ausschließlich durch psychologische Psychotherapeut:innen, Psychiater:innen oder Fachärzt:innen für psychosomatische Medizin erfolgen. Wichtig ist ein ausführliches Anamnesegespräch mit Fragen zu:

  • Wohn- und Lebenssituation
  • Horten und Sammelverhalten
  • Emotionaler Bindung an Gegenstände
  • Funktionseinschränkungen im Alltag
  • Co-Erkrankungen (z. B. Depression, ADHS, Zwangsstörung)

Kriterien laut DSM-5 für Hoarding Disorder

Die DSM-5-Kriterien definieren die Störung wie folgt:

  1. Anhaltende Schwierigkeiten, Dinge wegzuwerfen – unabhängig vom tatsächlichen Wert
  2. Der Wunsch, Dinge zu behalten, basiert auf emotionaler Not, Unentschlossenheit oder Angst
  3. Übermäßiges Ansammeln führt zu Beeinträchtigung der Wohnnutzung
  4. Die Störung verursacht klinisch bedeutsames Leiden oder Einschränkungen im sozialen, beruflichen oder familiären Leben
  5. Nicht besser erklärbar durch andere Erkrankungen wie Schizophrenie, Demenz oder Zwangsstörung

Diese Kriterien müssen über mindestens 6 Monate erfüllt sein, um von einer diagnostischen Relevanz auszugehen.


Warum das Messie Krankheitsbild häufig unerkannt bleibt

Viele Betroffene empfinden Scham über ihre Lebensumstände und vermeiden es, das Problem offen anzusprechen – selbst beim Arzt oder in der Psychotherapie. Andere zeigen keine Krankheitseinsicht, weil sie ihr Verhalten als normal oder sogar notwendig empfinden.

Hinzu kommt: Das Umfeld erkennt das Problem oft erst spät, etwa wenn sich Geruchsbelästigung, Hygieneprobleme oder Probleme mit Vermieter:innen häufen. Gerade Angehörige sollten daher sensibel beobachten und bei Bedarf Unterstützungsangebote einleiten.


Gesellschaftliche Wahrnehmung & Stigma – Warum wir über das Messie Syndrom sprechen müssen

Das Messie-Syndrom wird in der Öffentlichkeit häufig missverstanden, stigmatisiert oder belächelt. In vielen Fällen erscheint es lediglich als eine „extreme Form von Unordnung“ – doch dieser Eindruck verkennt die tiefgreifende psychische Belastung, die mit der Erkrankung einhergeht. Medienformate, in denen „Messies“ bloßgestellt oder voyeuristisch dargestellt werden, tragen zusätzlich zur Tabuisierung bei. Dabei wäre ein offener Umgang dringend nötig – sowohl für Betroffene als auch für Angehörige.


Messies in den Medien – Zwischen Unterhaltung und Realität

Fernsehformate wie „ZDF 37°“, „RTL Messie-Familien“ oder Berichte auf YouTube zeigen häufig extreme Wohnverhältnisse. Zwar tragen sie zur Sichtbarkeit bei, doch oft werden Menschen mit dem Messie-Krankheitsbild nur auf ihre Wohnung reduziert. Das Problem: Es entsteht ein Bild von Faulheit, Dreck und Willensschwäche – nicht von psychischer Not, wie es medizinisch korrekt wäre.

Dieses mediale Bild erschwert es Betroffenen, sich zu öffnen und Hilfe zu suchen. Laut einer Studie von Tolin et al. (2008) zeigen viele Menschen mit Hoarding Disorder starke soziale Ängste, vor allem aus Furcht vor Entdeckung und Verurteilung DOI: 10.1016/j.janxdis.2007.04.006


Die Macht von Sprache – „Messie“ als Stigma

Der Begriff „Messie“ hat sich in den deutschen Sprachgebrauch eingebrannt – oft als Schimpfwort oder abwertende Bezeichnung. Dabei handelt es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung, die Aufmerksamkeit und therapeutische Begleitung erfordert. Menschen, die mit dem Messie-Syndrom leben, sind nicht „unfähig“ oder „faul“, sondern oft emotional überfordert, traumatisiert oder innerlich vereinsamt.

Gerade deshalb ist es wichtig, achtsam mit Sprache umzugehen – und das Gespräch zu öffnen statt zu verurteilen.


Warum Aufklärung der Schlüssel ist

Mehr Verständnis bedeutet mehr Hilfe. Je besser die Gesellschaft über das Messie-Syndrom informiert ist, desto eher werden:

  • Symptome früher erkannt
  • Unterstützung gesucht & angeboten
  • Tabus abgebaut
  • Angehörige sensibilisiert

Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen e. V. oder Selbsthilfegruppen spielen dabei eine zentrale Rolle. Auch ärztliche Aufklärung und psychotherapeutische Information (z. B. über Krankenkassen) können die Wahrnehmung entscheidend verbessern.


Quellen zum Messie-Syndrom (Hoarding Disorder):

1. American Psychiatric Association – DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders)

  • Inhalt: Das DSM-5 führt die Hoarding Disorder erstmals als eigenständige psychische Störung auf.
  • Relevanz: Wissenschaftliche Grundlage für die Einordnung des Messie-Syndroms im internationalen Kontext.
  • Quelle:
    APA DSM-5: Hoarding Disorder – Diagnostic Criteria

2. ICD-11 (WHO) – International Classification of Diseases


3. Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen e.V.

  • Inhalt: Information zur Definition, Symptomatik und Behandlungsmöglichkeiten des Messie-Syndroms aus therapeutischer Sicht.
  • Relevanz: Fachgesellschaft, die Aufklärung und Therapieunterstützung für Betroffene in Deutschland bietet.

4. Frost & Hartl (1996) – A Cognitive–Behavioral Model of Compulsive Hoarding

  • Inhalt: Früh einflussreiches Modell zur Erklärung der Hoarding-Störung, veröffentlicht im Behaviour Research and Therapy Journal.
  • Relevanz: Wissenschaftlich zitierter Grundlagentext zur psychologischen Entstehung des Messie-Syndroms.

5. Mataix-Cols et al. (2010) – Hoarding disorder: A new diagnosis for DSM-5?

  • Inhalt: Empirische Argumente zur Notwendigkeit der Anerkennung des Hoarding-Verhaltens als eigenständige Störung.
  • Relevanz: Hoch zitierte Publikation, die zur Aufnahme in DSM-5 beigetragen hat.
  • Quelle:
    👉 https://doi.org/10.1016/j.jad.2010.04.027
3K Entrümpelung Köln
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